Heute fragt mich das erste mal wieder jemand nach der Uhrzeit, direkt nachdem ich meine Uhr zur Reparatur abgegeben hatte, weil sie mir gestern beim Fahrradfahren einfach vom Arm gefallen war. Trotzdessen schaute ich natürlich auf meinen blanken Arm und konnte erst dann verneinen.
Interessanter war jedoch eine Szene neulich in einem Dönerladen. Auch dort kam ein Kunde rein und fragte nach der Zeit. Instinktiv blickten alle Anwesenden nach oben, an die Stelle an der man scheinbar in jedem Laden eine große bahnhofs-ähnliche Uhr vermutet. Nur leider hing da keine. Aber allein der Blick war schon so automatisiert und institutionalisiert, dass man erst in dieser Brechung die eigentliche Erwartung erkennen konnte.
Die schönste Situation erlebte ich jedoch mit meiner Uhr. Auf der Treppe zum Aldi saßen zwei Punker mit ihren Bierflaschen und fragten mich nach der Uhrzeit. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund hatte ich das Bedürfnis genau zu sein. Ich schaute lange auf meine analoge Uhr und konnte mich nicht zwischen 18:23 Uhr und 18:24 Uhr entscheiden. Kurz stand ich unentschlossen da und sagte dann 18:24 Uhr. Sie sagten nichts. Erst im weglaufen merkte ich wie irrelevant diese Genauigkeit für sie wohl war: Ihnen hätte wahrscheinlich auch “Zwischen sechs und sieben” gereicht. Kurz schämte ich mich und kam mir vor wie ein verknöcherter Büroangestellter, dann aber freute ich mich über die Spiegelung meiner Zeitvorstellung.